Frisches Grundwasser aus dem Meer

wüsteSeit sich die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vor 38 Jahren zu einer Nation zusammentaten, haben sie sich in rasendem Tempo entwickelt. Trotz Finanzkrise ist von Baustopp nichts zu spüren. Doch die Emirate hängen zu 100 Prozent am Tropf der Meerwasserentsalzungsanlagen. So wird etwa die Hauptstadt des größten Emirats Abu Dhabi durch vier Anlagen versorgt. Fallen sie aus, haben die 800 000 Einwohner nach drei Tagen kein Süßwasser mehr. Ein terroristischer Anschlag oder ein leck geschlagener Öltanker vor der Küste könnten dieses Horrorszenario verursachen.
Bereits Anfang der 90er-Jahre erkundeten die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Beratungsfirma Dornier Consulting die Grundwasservorkommen Abu Dhabis. Sie schlugen vor, die Vorkommen des Emirats künstlich mit entsalztem Meerwasser anzureichern – als Vorsorgemaßnahme und Reservoir für trinkwasserarme Zeiten.

2004 stellten GTZ und Dornier Consulting den Nutzen ihres Projekts unter Beweis, 2008 erhielten sie den Zuschlag der Regierung, ein solches Reservoir im Liwa-Gebiet einzurichten, wo eines der beiden wichtigsten Grundwasservorkommen Abu Dhabis liegt. “Gelingt uns das Projekt, kann Abu Dhabi rund 90 Tage lang mit Wasser versorgt werden. In dieser Zeit kann eine zerstörte Entsalzungsanlage wieder aufgebaut werden”, sagt der Projektleiter der GTZ, Peter Menche.

Bei dem gewaltigen Vorkommen in Liwa handelt es sich um einen Grundwasserleiter, der durch seltene, aber regelmäßige Regenfälle immer wieder neu aufgefüllt wird, also nicht fossil ist. In der Erde ist das Wasser gegen bakterielle Kontamination geschützt. Zudem gibt es in der Gegend keine Siedlungen und Landwirtschaft. Eine Schicht aus Sand und Sandstein schützt das Grundwasser vor Verdunstung.

Über zwei Jahre lang soll der Grundwasserleiter in Liwa mit 1000 Kubikmeter entsalztem Meerwasser pro Stunde angereichert werden. Dieses kommt über Leitungen von hundert Kilometer entfernten Entsalzungsanlagen. In Liwa versickert das Wasser über Kiesbecken in die Erde. Dort liegen bis zu 80 Meter lange Rohre, die das Wasser zum Grundwasserleiter führen. Die Kiesschicht und ein Gewebe schützen das Wasser gegen Verdunstung.

Über Pumpen kann es notfalls schnell abgepumpt werden. 8523 Kubikmeter pro Stunde flössen dann theoretisch rund 90 Tage lang zurück nach Abu Dhabi. Die Menschen müssten dann allerdings täglich mit 227 Liter Wasser pro Kopf auskommen und nicht mehr wie heute mit 510 Liter. Darin ist auch die Bewässerung der Parks Abu Dhabis eingerechnet. Zum Vergleich: Deutsche verbrauchen rund 120 Liter pro Tag. Die Stromversorgung sollen autonome Dieselaggregate unternehmen. Denn wenn die Entsalzungsanlagen stehen, fallen auch die Stromversorger aus.

Das Verfahren, Grundwasservorkommen zusätzlich anzureichern, ist nicht neu. Frühe Kulturen etwa in Südamerika haben das schon getan. Doch so systematisch und mit entsalztem Meerwasser ist das Projekt in Abu Dhabi das erste seiner Art. Der Bau soll eigentlich im Frühjahr 2010 beginnen. Jedoch wird derzeit noch die Baufirma gesucht. Ist das Projekt erfolgreich, dürfte es zum Modell für andere wasserarme Staaten werden.

Gelesen: 3519 · heute: 3 · zuletzt: 14. March 2010

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