Wellenkraftwerke – Neue Energie aus dem alten Meer – Franz Alt

Umweltschutzpreis Goldenen Blume von Rheydt für Dr. Franz Alt Kann es sein, dass neben Sonnen-, Wind-, Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie bald eine sechste Säule der Erneuerbaren Energieversorgung das tragfähige Fundament für den hundertprozentigen Umstieg auf umweltfreundliche Energieversorgung bildet?

Wellenenergie, die Kraft aus den Meeren, kann schon bald einen ähnlichen Boom erleben wie die Windkraft oder Photovoltaik in den letzten Jahren. Dutzende Projekte sind bereits oder werden noch in diesem Jahr gestartet.

Das Meer wird schon lange als Energiequelle angezapft. Schon seit 1966 liefert westlich von Saint Malo an der Nordküste der Bretagne ein Gezeitenkraftwerk umweltfreundlichen Strom für 250.000 Menschen. Die Anlage wird vom so genannten Tidenhub gespeist – das ist der Unterschied des Wasserstandes zwischen Ebbe und Flut. Weltweit produzieren bereits ein Dutzend Tidenkraftwerke Meeresstrom.Neue Energie aus dem alten Meer - Franz Alt

Der schwäbische Wellenkraftwerkshersteller Voith Siemens Hydro Power baut zusammen mit dem koreanischen Unternehmen Renetec bis 2009 am Meeresgrund vor der koreanischen Küste ein 600-Megawatt-Turbinenkrafrtwerk,das die Kraft der Wellen und den Tidenhub nutzt und knapp eine Million Menschen mit Strom versorgen kann.

Die Kraft aus dem Meer könnte theoretisch 76 mal mehr Erneuerbare Energien produzieren als heute alle 6,6 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt verbrauchen. Aber auch praktisch kann in vielleicht 20 bis 25 Jahren ein Fünftel des Weltenergieverbrauchs aus Wellen und Strömungsenergie der Ozeane gewonnen werden.

Vor Schottlands Küste läuft das weltweit erste Wellenkraftwerk von Voith Siemens, das bereits Energie ins Stromnetz einspeist.

Im Konzert der Erneuerbaren Energien wird Wellenkraft und Gezeitenkraft künftig eine wichtige Rolle spielen. Die Wellen und Wogender Weltmeere sind riesige Energiespeicher- nicht nur Sonne und Wind, sondern auch die Meeresenergie schickt uns keine Rechnung. Auch diesen Stoff können wir kostenlos nutzen. Die Natur hat für alles gesorgt, was wir brauchen. Wellen werden nie verbraucht, sondern nur gebraucht.

Der Internationale Energierat geht davon aus, dass künftig 15 – 20 % der Energie regenerierbar aus den Weltmeeren gewonnen werden kann. In Küstenländern wie Spanien, Portugal, England oder Norwegen können es sogar 50% des Stroms sein.
Die beteiligten Firmen gehen davon aus, dass der Strom aus dem Meer in 10 bis 15 Jahren preislich konkurrenzfähig zur alten Energie sein wird. Der Wettlauf um die besten Wellenenergietechnologien hat bereits begonnen. Im Wesentlichen geht es um drei möglich Zukunftstechnologien.

Erstens: Voith Siemens nutzt das Verfahren der so genannten oszillierenden Wassersäulen. Das heißt: An der Küste steht eine ins Wasser hinausragende Betonröhre. Trifft eine Welle auf die 20 Meter breite und 18 Meter hohe Röhre, steigt der Wasserspiegel im Innern und fällt im Rhythmus der Wellen. Dadurch wird Luft nach oben gedrückt und wieder zurückgezogen. Die Luft entweicht am oberen Ende der Röhre durch einen Schacht, in dem dadurch eine Turbine angetrieben wird. Damit wird Strom erzeugt.

Zweitens: Das System der sogenannten Wellendrachen. Das ist ein Offshore-Konzept im Meer, nicht am Meer. Auf See sind die Wellen noch weit stärker als an der Küste. Das Wasser wird beim „Wellendrachen” (Wave Dragon)auf eine künstliche Rampe getrieben, von wo es in eine Reservoir fällt. Die Fallhöhe wird wiederum zum Antrieb einer Turbine genutzt. Der größte Wellendrachen wird derzeit an der walisischen Küste geplant. Das 300 mal 150 Meter hohe Monster besteht aus 30.000 Tonnen Stahl und soll eine Jahresleistung von 2 Gigawattstunden haben. Das könnte die Kraft von 20 Atomkraftwerken sein.

Drittens: Die „Seeschlange”, eine Bojen-Konstruktion. Die Anlage besteht aus vier mit Gelenken verbundenen Elementen und schwimmt wie eine Seeschlange am Meeresboden. Der Wellengang bewegt die Gelenke, an denen Pumpen angebracht sind, die wiederum einen Generator antreiben. Schon Ende 2007 soll die erste „Seeschlange” kommerziell Strom produzieren.

In England, Spanien und Portugal gibt es üppige Einspeise- Vergütungen für Wellen- und Strömungsenergie. Deshalb werden diese Länder technologisch die Nase vorn haben. Aber auch EnBW will dabei sein und entwickelt in Kooperation mit dem Land Niedersachsen ein Wellenkraftwerk an der Nordsee.

Autor: Franz Alt
(Quelle: Sonnenseite)

Weitere Informationen:
Gezeitenkraftwerke

Gelesen: 6269 · heute: 0 · zuletzt: 22. July 2010

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