Plastic Planet. Sind wir nicht alle ein bischen Plastik?

Werner Bootes Reise auf den Spuren des Plastik beginnt zunächst mit den schönen Erinnerungen an seine Kindheit in seiner österreichischen Heimat. Es waren idyllische Jahre, in denen Fortschritt noch wie einer Gottheit gehuldigt wurde und in denen es bei ihm vor Plastiktierchen, Modellschiffen und buntem Kunststoffallerlei nur so wimmelte. Bootes Großvater war in den 60er Jahren Geschäftsführer der Interplastik-Werke und somit einer der Wegbereiter des globalen Kunststoff-Siegeszugs, der damals so richtig in Fahrt kam.

„Unser Lebenskreislauf ist ein Plastikzyklus.”
- Werner Boote

Regisseur Werner Boote

Nach der Steinzeit, der Bronze- und der Eisenzeit leben wir heute im Plastikzeitalter. Die Kunststoffindustrie allein setzt jährlich ungefähr 800 Milliarden Euro um, und fast jeder andere Industriezweig ist mehr oder minder davon abhängig. Wie sehr unser aller Leben und Alltag durch Kunststoffprodukte bestimmt wird,  zeigt sich im Laufe des Films immer wieder, wenn Familien in Europa, USA, Japan und Indien all ihre Habseligkeiten aus Plastik vor der Tür ihrer Häuser für den Regisseur  aufeinanderstapeln.
„Wunderbare Produkte. Wunderbares Material.”
- John Taylor, ehemaliger Präsident von PlasticsEurope

Die erste Station auf Werner Bootes Rundreise um unseren PLASTIC PLANET ist ein Gespräch mit John Taylor, dem Präsidenten des europäischen Dachverbands der Plastikhersteller, der selbstverständlich für die Vorzüge von Kunststoffen schwärmt und deutlich macht, welche wirtschaftliche Bedeutung sie haben. Um auf die weniger schönen Spuren des Plastiks zu stoßen, braucht Boote allerdings nicht lange zu suchen und findet sogar in der ‚zivilisationsfernen’  Sahara, wo schon Filmlegenden wie „Lawrence von Arabien“ und „Gladiator“ entstanden, eine mit Plastiktüten verschandelte Landschaft.
Sein nächster Halt ist Italien. Dort ruft er Erinnerungen an einen Verseuchungsskandal durch eine PVC-Fabrik im Hafen von Venedig wach, bevor es weiter nach Beverly Hills zu einer Unterhaltung mit einem Schönheitschirurgen und einer seiner ‚silikon-verstärkten’ Patientinnen geht. Ein Kunststoffhersteller in Österreich, eine Firma für Kunststoffverarbeitung in Shanghai und schließlich eine Müllkippe in Kalkutta sind Bootes nächste Ziele. Immer deutlicher wird während seiner Recherchen, dass man nie genau wissen kann, was sich da alles im Plastik versteckt, und dass es eindeutig zuviel davon gibt – vor allem zu viel Plastikmüll.
„Es ist ein Plastik Planet  …weil eine Schicht aus Plastik unseren gesamten Planeten überzieht.”
-

Charles Moore, Meeresforscher &Umweltaktivist

Der Umweltaktivist und Meeresforscher Charles Moore untersucht seit einigen Jahren die Verschmutzung von Meeresarealen. Boote besucht ihn auf hoher See, und zwar im North Pacific Gyre, wo der in letzter Zeit viel besprochene Plastikmüllteppich (kleine, unter der Oberfläche schwimmende Plastikpartikel) zu finden ist. Moore fischt er auf seinen Forschungstouren deutlich mehr Kunststoffteilchen als Plankton aus dem Pazifik.In den Gebieten mit der höchsten Verschmutzung besteht bereits ein Missverhältnis von bis zu 60 Teilen Plastik zu einem Teil Plankton.
Ebenfalls um die Folgen von Kunststoffrückständen in Gewässern geht es an den nächsten Reisezielen von Werner Boote. Umweltwissenschaftlerin Susan Jobling erklärt ihm beispielsweise, dass Ausschwemmungen aus Kunstoffen im Fluss Lee in London für Veränderungen in der Fischpopulation gesorgt haben und durch hormonell wirksame Substanzen Zwitter-Exemplare entstanden sind.
Augenscheinlich wird das Problem auch auf der japanischen Insel Tsushima, wo Boote beim alljährlichen Einsammeln des tonnenweise an die Strände geschwemmten Plastikmülls – ingesamt 120 Lastwagenladungen – hilft. Immer wieder wird in den Gesprächen, die Boote mit Wissenschaftlern wie dem Pharmakologen und Zellphysiker Scott Belcher und später mit dem renommierten US-Biologen Fred vom Saal auf seiner Weiterreise durch die Vereinigten Staaten führt, eindrucksvoll deutlich, wie stark die Belastung unserer Umwelt und wie gefährlich die Benutzung von Plastik für uns  selbst ist.

„Bisphenol  A ist eine Chemikalie, die Östrogen imitiert.” 
- Scott Belcher, Zellbiologe & Pharmakologe

Zurück in Europa besucht Werner Boote den bekannten Plastinator Gunter von Hagens, der Menschen buchstäblich in Kunststoff verewigt: „Das Baby beginnt mit dem Silikon als Schnuller und wir enden mit Silikon als Plastinat. Ist das nicht der Kunststofflebensweg des modernen Menschen?“  Wie lange so ein plastinierter Körper hält, weiß man nicht, aber in Böden und Gewässern dürften Kunststoffe wissenschaftlichen Schätzungen zufolge bis zu 500 Jahre überdauern. Und in diesem gesamten Zeitraum können sie oder die beigemengten Zusätze unser Hormonsystem schädigen, Allergien auslösen oder sogar Krebs erzeugen.

Hier können Sie den Trailer herunterladen. Bitte auf das Bild klicken.

PLASTIC PLANET führt vor Augen, wie sehr wir uns von Plastik abhängig gemacht haben, in welchem Ausmaß Kunststoffe zu unserem Alltag gehören. Bestimmte Kunststoffzutaten stehen indirekt sogar auf unserem täglichen Speiseplan: Bestandteile aus Verpackungen mit Klarsichtfolie, Plastikflaschen und Plastik-Aufbewahrungsdose.
“Alles was in einem Polycarbonatbehälter aufbewahrt wird, enthält Bisphenol A. Hunderprozentig.” 
- Fred vom Saal, Endokrinologe
Die Verheißungen des Plastikzeitalters sind längst zur modernen Geißel geworden, und die schwerwiegenden Gesundheitsrisiken des allgegenwärtigen Plastiks werden immer offenkundiger. Werner Boote weiß, dass sich etwas ändern muss, und findet in einem belgischen Supermarkt schließlich einen möglichen Ausweg: sogenanntes ‚Bio-Plastik’ als Verpackungsmaterial (biologisch abbaubar und somit umweltverträglich). Im Gespräch mit einem Hersteller dieser biologisch abbaubaren Kunststoffe in Italien erfährt Boote zwar, wie groß mittlerweile der Bedarf an diesem umweltfreundlichen Material ist, es wird allerdings genauso ersichtlich, wo die Probleme liegen. Die industrielle Produktion von Bio-Kunststoffen steht noch am Anfang und bewegt sich im Verhältnis zum Volumen der normalen Kunststoffhersteller noch im Promillebereich. Kunststoffe werden in unserer Welt in erheblich größeren Mengen benötigt. Zudem sind herkömmliche Kunststoffe vergleichsweise günstig herzustellen, und die Plastikindustrie – darunter die mächtigsten Konzerne der Welt – verzichtet nicht gerne auf ihre gigantischen Gewinne. Wenn der Futurologe Ray Hammond, von PlasticsEurope als  ‚Fürsprecher’ ausgesandt, bei Werner Boote auf der Couch sitzt, offenbart sich einmal mehr der Glaube an die Verheißungen eines Lebens mit Plastik. So könne es laut Hammond in 20 Jahren durchaus ‚kluges’ Plastik geben, das sich selbst repariert oder sich den Umgebungsverhältnissen anpasst, und was die gesundheitlichen Gefahren durch Kunststoffe angehe, da ‚vertraue’ er auf die Studien und Beschlüsse, die die Harmlosigkeit von Plastik versprechen.

“Die Verdrängungsleistung der Verantwortlichen ist gigantisch.” 
- Klaus Rhomberg, Humangenetiker und Umweltmediziner

Unermüdlich, neugierig, charmant und bunt überbringt PLASTIC PLANET seine ernsten Nachrichten und demonstriert einprägsam,  dass wir umdenken müssen, dass wir Alternativen brauchen und  es uns nicht mehr leisten können, immer erst auf den Nachweis der Giftigkeit von Kunststoffen oder Zusätzen zu warten, bevor sie verboten werden. Das beste Beispiel hierfür ist Bisphenol A, das trotz des sich immer mehr erhärtenden Verdachts, gesundheits- und erbgutschädigend zu sein, weiter in großem Umfang bei der Herstellung von Konservendosen, Babyflaschen, Schnullern, Schüsseln, Sportflaschen, Folienverpackungen oder Lacken benutzt wird.
“Die Produzenten sollten beweisen müssen, dass ihre Produkte nicht gefährlich sind.” 
– Margot Wallström, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission

Am Ende seiner Reise in und um die Welt des Plastiks legt Werner Boote gemeinsam mit seiner Mutter auf dem Zentralfriedhof von Wien Blumen ans Grab seines Großvaters, der vor 40 Jahren noch nicht wissen konnte, wo sein Traum von einer schönen, heilen Kunststoff-Welt einmal enden würde. Echte Blumen – keine aus Plastik.

Über die Produktion
Regisseur Werner Boote trat mit dem Thema nach bereits jahrelangen Recherchen im Sommer 2003 an Produzent Thomas Bogner von Neue Sentimental Film Entertainment GmbH in Wien heran. Der deutsche Produzent Daniel Zuta stieß 2006 dazu. Die weitere Entwicklung des Stoffes und die Finanzierung der aufwändigen Produktion dauerten fast vier Jahre. Gedreht wurde von Frühjahr 2007 bis Frühjahr 2008, gefolgt von einer einjährigen Postproduktionsphase.
Der erste große Block der Dreharbeiten begann dann im Frühjahr 2007 mit Aufnahmen in London (Susan Jobling, Intersex-Fische). Von dort aus ging es erst nach Finnland, anschließend zurück nach Wien (ÖMV, Borealis), dann nach Japan (Tokio, Tsushima, Minamata City, Kumamoto), China (Shanghai) und schließlich nach Indien (Kalkutta). Nach einer kurzen Pause reiste das Team neuerlich in die USA (Los Angeles, Pullman, Cincinnati, Columbia) und per Helikopter über den Pazifischen Ozean zu Charles Moores Boot im North Pacific Gyre. Weiter ging es nach Marokko und Uganda (Kampala). Nach dem zweiten Block ging es zum Abschluss der Drehzeit im Frühjahr 2008 zurück nach Europa, wo in Deutschland (Düsseldorf, Guben), Italien (Novara), Belgien (Brüssel, Waterloo) und zuletzt wieder in Österreich (Dachstein, Wien) gedreht wurde.
PLASTIC PLANET ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion von Neue Sentimental Film Entertainment GmbH in Wien und der Brandstorm Entertainment AG in Frankfurt (Produzent: Daniel Zuta). Ilann Girard (ARSAM, Paris) fungiert als Executive Producer. Als weiterer Koproduzent brachte die Cine Cartoon Filmproduktion GmbH aus Wien die Animationen ein.

Werner Boote (Regie)
Werner Boote erblickte 1965 in Wien das Licht der Plastikwelt und studierte Theaterwissenschaft, Publizistik und Soziologie. Außerdem war er an der Filmakademie und erlernte das Filmemachen auf bei verschiedenen Kinoproduktionen. Unter anderem war er Regieassistent bei Robert Dornhelm und Ulrich Seidl.Seit 1993 dreht Werner Boote eigene Filme, die vor allem im Musikbereich angesiedelt sind. Darunter das Musikvideo „Anouk – Sacrifice “ (1999), für das er den TMF Award erhält sowie „Andrea Bocelli – Cieli di Toscana “ (Universal Music, 2002) und „Kurt Rydl – Der Gladiator “ (ORF/EPO-Film, 2003), der als ORF-Beitrag für die Emmy Awards eingereicht worden ist. Außerdem drehte er Dokumentationen über zeitgenössischen Tanz in Österreich (2004), einen Film über die letzten echten Opernfans auf einer Busfahrt durch Italien („Und der Bus fährt weiter”, 2004) und bereits 1996 drehte er die Politdoku „Südtirol – Alto Adige” (ORF/ZDF). Mit den Recherchen zu PLASTIC PLANET startete er vor fast 10 Jahren. 2003 trat er mit dem Thema an die Neue Sentimental Film heran, mit der er bis dahin mehrere TV-Dokus gedreht hatte (u.a „Der Fliegende Holländer – Feuer & Eis”). Er erhielt zahlreiche Preise, darunter „Best Tourismfilm of the World”, zwei Mal „Delphin” in Frankreich und den „Silver Screen Award” beim New York Filmfestival. Werner Boote lebte von 1993 bis 2002 in Amsterdam, seit 2002 wohnt er in Wien.

Regisseur Werner Boote über…
… das Anliegen des Films
Ich habe viel über Teilbereiche zum Thema Kunststoff gelesen und zahlreiche Fernsehberichte gesehen, die immer wieder einzelne Aspekte aufgriffen. Gewundert hat mich allerdings, dass es keinen Film gibt, der all die Puzzleteile auf den Tisch legt und zusammenfügts. Mit PLASTIC PLANET wollte ich zeigen, wie umfassend dieses Problem ist und wie sehr es jeden von uns betrifft.

… seinen persönlicher Bezug
Mein Großvater hat in der deutschen Kunststoffindustrie gearbeitet. Er ist jedes Wochenende nach Wien gekommen und hat mir schöne Geschenke mitgebracht, die meistens aus Kunststoff waren. Ich war immer irrsinnig stolz auf diese Plastikmitbringsel, weil sie schön waren und  tolle Funktionen hatten.
… über die Auswahl der Drehorte und Interviewpartner
Orte und Interviewpartner habe ich aus persönlichem Interesse ausgesucht. Nach langen Recherchen habe ich für mich entschieden, welche Wissenschaftler vertrauenerweckend erscheinen, und sie dann über Monate und Jahre begleitet. Genauso war es bei den Drehorten. Ich bin dort hingefahren, wo sich die Widersprüche am besten zeigen ließen: wie z.B. die japanische Insel, die als ‚Insel der Natur’ bezeichnet wird, obwohl sie ein großes Müllproblem hat.

… über seine Rolle vor der Kamera
Meine Filme sind meine persönliche Suche nach Antworten. Dadurch spielt die Person Werner Boote eine Rolle, und wenn man dann eine investigative Dokumentation macht, kommt immer gleich die Frage, ob das so ein Film wie von Michael Moore ist. Dann sage ich immer: „Um Gottes Willen”. Das Ganze ist eigentlich nichts anderes als meine persönliche Reise oder Suche. Ich mache keine Propaganda in der Art: „Hallo, ich sage euch jetzt, wie die Welt funktioniert”. PLASTIC PLANET ist ein Film geworden, der mich überallhin begleitet hat, während ich versuchte herauszufinden, wie’s ausschaut mit unserem Plastik Planeten.
…über Probleme während der Dreharbeiten
Die größten Schwierigkeiten mit den Big Playern der Kunststoffindustrie in Kontakt zu kommen, waren, dass die nicht daran interessiert sind, dass über sie berichtet wird. Selbst die größte amerikanische Sendung „60 Minutes” hat den Boss der Kunststoffindustrie nie vor die Kamera bekommen. Wir haben 18 Monate gedrängt, ein Interview mit dem Präsidenten von PlasticsEurope zu bekommen. 18 Monate kann kein Fernsehsender zeitlich durchhalten. Beim Aufeinandertreffen mit den Interviewpartnern war das Vertrauen aber immer sehr schnell da, weil mein Vater in der Kunststoffindustrie gearbeitet hat. Daher bin ich quasi ein Freund und komme aus der Familie. Deswegen hat man mit mir sehr locker geredet. Aber sobald man kritische Fragen stellt, kriegt man ausweichende  Antworten.Die größte Herausforderung in der Umsetzung des Filmes war, nicht zu tief in die Materie zu gehen, und alle Substanzen genau zu erklären, und andererseits nicht zu oberflächlich zu bleiben. Es hat einen Moment in der Produktionsphase, innerhalb dieser 10 Jahre, gegeben, wo ich völlig die Nerven verloren habe und mir gedacht habe: „Um Gottes Willen, rund um mich herum ist Gefahr, und niemand weiß es. Bin ich der Einzige? Das ist alles schrecklich!”
… Plastik im Blut
Für den Film hat sich das gesamte Team des Films einem Bluttest unterzogen. Wir wollten wissen, inwieweit das Plastik in unserer alltäglichen Umgebung auch direkt Einzug in unsere Körper gehalten hat und damit unsere Gesundheit beeinträchtigt. Mit einem erstaunlichen Ergebnis: Jeder von uns hatte Plastik-Substanzen wie Bisphenol A, Phtalate und Flammschutzmittel im Blutplasma.

…über die Botschaft an das Publikum von PLASTIC PLANET
Ich würde nicht sagen „Kauft überhaupt kein Plastik mehr”. Das würde nicht funktionieren. Wenn es mir mit dem Film gelingt, die Menschen zum Nachdenken zu bringen, sich zu überlegen, nicht mehr so viel Plastikramsch zu kaufen, dann ist das großartig. Dann haben wir alle schon viel gewonnen.Der Film sagt dem Publikum: „Hallo, werdet ein bisschen aufmerksam in Sachen Kunststoff. Erkundigt euch! Fragt eure Supermarktverkäufer, was dahinter steckt. Fragt, warum auf der Plastikverpackung nicht drauf steht, was da alles für Schadstoffe in mein Essen übergehen können.” Dann muss die Supermarktkette reagieren und sich umstellen, denn es ist EU-Recht, dass der Händler dem Konsumenten Auskunft geben muss, was in den angebotenen Produkten enthalten ist. Das wissen nur die Wenigsten.

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www.farbfilm-verleih.de


Wir haben den Film gesehen. Ab jetzt sehen wir  unsere Welt anders.

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