Leitungswasser – Das Umweltbundesamt schlägt Alarm
Das Umweltbundesamt schlägt Alarm – Thema Leitungswasser
Was derzeit aus den Wasserhähnen in Deutschland fließt, gibt dem Umweltbundesamt schwer zu denken. Etliche Bürger klagen über Hautreizungen, Rötungen und Schwellungen, die unmittelbar nach dem Kontakt mit Leitungswasser auftreten. Guter Rat sprach mit Dr. Frank Schiller, Mediziner und Toxikologe am Umweltbundesamt, der die Fälle derzeit untersucht. (Betroffene werden gebeten, an der Studie der Behörde teilzunehmen. Den Fragebogen hierzu und weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten des Umweltbundesamts.)
Herr Dr. Schiller, was ist mit unserem Leitungswasser los?
Bevor das Trinkwasser in die Hausleitungen und -installationen kommt, gar nichts, da ist es im Allgemeinen einwandfrei. Problematisch wird es erst, wenn das Wasser in die Leitungen, Armaturen und Wasserhähne der Hauswasserinstallation gelangt.
Wodurch kann das Wasser da belastet werden?
Zum Beispiel durch Nickel. Der Grenzwert für dieses Metall liegt normalerweise bei 20 µg (Millionstelgramm) pro Liter. An Wasserhähnen konnten wir aber bis zu 600 µg pro Liter Stagnationswasser messen. Das ist enorm.
Und das ist der Grund für die Hautreizungen?
Das könnte in Verbindung mit weiteren Faktoren sein, wir wissen es aber noch nicht. Die Symptome einer Nickel-Allergie zeigen sich eigentlich erst nach 48 Stunden. In den Fällen, die die Gesundheitsämter uns gemeldet haben, treten die Beschwerden aber sehr bald nach dem Kontakt mit Wasser auf.
Wenn nicht Nickel der Auslöser ist, was könnte dann das Problem sein?
Wir müssen die Fälle noch untersuchen, deshalb kann ich nur Vermutungen äußern. Phosphate zum Beispiel könnten auch ein Grund sein. Diese werden dem Wasser gelegentlich zum Korrosionsschutz in der Hauswasserinstallation beigemischt.
Was kann man denn als Hauseigentümer oder Mieter tun, um sich zu schützen?
Man sollte bei Leitungen und Armaturen auf geprüfte Qualität achten. Ein guter Anhaltspunkt ist das DVGW-Prüfsiegel (Anm. der Red.: Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches) auf der Ware. In Baumärkten und anderen Geschäften tauchen allerdings immer mehr Importe auf, die nicht geprüft sind. Um sich zu schützen, ist es außerdem sinnvoll, das Wasser morgens vor dem Genuss ca. eine Minute ablaufen zu lassen.
Sollte man das Leitungswasser auch durch einen Wasserfilter laufen lassen?
Nein, das ist unnötig. Das Problem ist vor allem, dass diese Filter schwierig zu pflegen sind, weil sie sehr schnell verkeimen. Werden die Filterkartuschen nicht regelmäßig ausgetauscht, vermehren sich die Bakterien rasant. Über eine Magen-Darm-Infektion muss man sich dann nicht wundern.
Nach alle dem: Trinken Sie überhaupt noch Leitungswasser?
Ja, auf jeden Fall. Das Wasser enthält keine giftigen Substanzen. Es ist eines der am besten überwachten Lebensmittel. Man sollte aber darauf achten, dass das Trinkwasser in der Hausinstallation keinen ungeeigneten Materialien ausgesetzt wird.
Autorin: Eva Maria Buscher
(Quelle: Guter Rat.de)
UQW-TIPP:
Wassertest beim Frauenhofer Institut

