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Alexander Lauterwasser – Wasser Klang Bilder

Alexander Lauterwasser - Wasser Klang BilderDie schöpferische Musik des Weltalls

Viele alte Mythen schildern den Weltschöpfungsprozess als allmähliche Ausformung und Festwerdung einer ursprünglich schwingenden, klingenden, ozeanisch-flüssigen Urwelt.

Es gibt eine Entsprechung von Klang und Form – Gestalt als geronnener Klang, Körper als Resonanzkörper. Anknüpfend an die Arbeiten von E. F. Chladni (1756–1827) und Hans Jenny (1904–1972) stellt der Autor die Ergebnisse seiner eigenen Beschäftigung mit den Chladnischen Klangfiguren dar, zeigt anhand zahlreicher Bilder eine Typologie dieser Formensprache, ihre Bedeutung für das Verständnis der Resonanz und die Verwandtschaft mit Strukturen und Mustern der Natur.

Alexander Lauterwasser - Wasser Klang BilderBesonders eindrucksvoll und formenreich sind die Gestaltungsvorgänge von Schwingungen im Medium Wasser, sei es in schwingenden Wassertropfen oder im Phänomen «stehender Wellen». Durch den Vergleich der Schwingungsbilder mit Naturformen erlebt der Betrachter die universelle Gesetzmässigkeit der in Schwingungen wirkenden Gestaltungsprozesse. Bezüge zu Physik und Biologie führen die ganze Spannweite der Frage nach dem Ursprung der Formen und Gestalten in der Welt vor Augen, regen zu eigenem Schauen und Weiterdenken an.

Eine noch erstaunlichere Steigerung der Formenwelt eröffnet das Wasser im Wechselspiel mit Musik. Verschiedenste Instrumente und Klangspektren führen zu einer nahezu unerschöpflichen Fülle faszinierendster komple- xester Strukturen und Muster

Mit zahlreichen Wasser-Klang-Bildern verschiedenster Komponisten und Interpreten, von Bach über Beethoven bis zu Stockhausen, von Ravi Shankar über Jan Garbarek bis zum Obertongesang und viele mehr.

Autor: Alexander Lauterwasser

Die schöpferische Musik
des Weltalls

Erschienen im AT-Verlag, 2002
168 Seiten mit ca. 200 farbigen Abbildungen von Wasserklangbildern
ISBN: 3-85502-775-7

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Mit freundlicher Genehmigung des Verlages und des Autors.
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„WasserKlangBilder“
zum reinlesen und informieren.

Seite 101 bis 105 des Buches Wasser Klang Bilder

Kapitel: Selbstorganisation und Gestaltbildung

Für Goodwin wird immer deutlicher, dass »Organismen (. .) keine Apparate aus zufällig zusammengestückelten Baustellen und nicht das Ergebnis eines unsystematischen Herumbastelns der natürlichen Selektion« sind. In ihnen spiegelt sich »ein tiefreichendes Muster geordneter Beziehungen wider. Woher kommt diese Ordnung?“ (ebd 169). Auch wenn Goodwin der Meinung ist, dass es für jede Spezies eine Art »Gestaltraum« gebe, einen »nach bestimmten Prinzipien organisierten Raum möglicher Baupläne“ (ebd 175), zeigen die von ihm geschilderten Simulationsexperimente jedoch, dass dieser »Gestaltraum« seiner Auffassung nach sich lediglich aus dem antagonistischen Wechselspiel mechanischer-chemischer Kräfte generiert und auch sein Konzept eines ))morphogenetischen Feldes“ allein auf physikalischen Aspekten beruht (ebd 186)9

Auch wenn Brian Goodwin der Meinung ist, dass die »in der Natur beobachteten Blattanordnungen (. ) typische Formen« sind, »die aus einem selbst organisierten, robusten morphogenetischen Prozess hervorgehen«, und dass Pflanzen »diesen Aspekt ihrer Form einfach dadurch« erzeugen, »dass sie das tun, was von selbst kommt« (ebd 203) – so bleibt dennoch die Frage, warum es gerade dieses zum Beispiel auf dem Prinzip des Goldenen Schnitts beruhende Muster ist, das »von selbst kommt«, und ob es sich wirklich allein aus den Wechselwirkungen von um Raum, Nährstoffe und Druckausgleich konkurrierenden physikalisch-chemischen Kräften ergibt?

Vielleicht hilft bei der Klärung dieser Frage ein vertiefter Blick auf das innere Prinzip des Goldenen Schnitts weiter. Der Goldene Schnitt ist eine ganz »besondere Proportion«, die das Verhältnis der »stetigen Teilung« erfüllt (DEUTSCH 1994 67): Das Ganze verhält sich zum größeren Teil wie der größere zum kleineren Teil. Es handelt sich hierbei um ein einmaliges und besonderes Verhältnis zwischen Ganzem und Teil, das heißt um ein Teilungs- und Gestaltungsprinzip, bei dem das Ganze im Teil immer irgendwie präsent und damit auch wirksam bleibt, also durch das Geteilt werden nicht verloren geht (DOCZI: 1987 14, 27). Das Wie des Goldenen Schnitts oder der »göttlichen Teilung« zeigt, wie E. BINDEL (1980: 89) es ausdrückt, »dass es eine Abtrennung vom ( … ) Ganzen gibt, welche das Bild des Ganzen unverlierbar mit sich nimmt, ja, welche sogar den Glanz und die Kraft des Ganzen im Akte der Abtrennung erst recht hervortreten lässt«. Mit anderen Worten: Der Goldene Schnitt ist eine Teilungsproportion – die immer auch eine Rhythmusproportion ist -, in der die Resonanz zum Ganzen immer gewahrt bleibt.

Ähnlich wie die mit dem Geheimnis des Kreises verbundene Zahl Pi gehört der sich aus dem Teilungsverhältnis des Goldenen Schnitts ergebende Zahlwert zu den »irrationalsten« (CRAMER 1988: 201) Zahlen; das heißt, in ihnen liegt eine Zahlendynamik, die sich dem Zugriff des rationalen Verstandes entzieht, weil sie auf eine besondere Weise mit dem Unendlichen verbunden sind und daher letztlich un-begreifbar bleiben (DOCZI 1987: 18). Sie haben etwas »mit Chaos zu tun« (CRAMER 1988 201), mit dem Gegenpol eindeutiger, fest gefügter Grenzen oder erstarrender Ordnung. Bei Friedrich CRAMER heißt es: »In Beschreibungen von komplexen dynamischen Systemen breitet sich mit wachsender Nichtlinearität das Chaos immer stärker aus Zum Schluss bleiben als Trennlinien zwischen den Chaosbereichen nur wenige Kurven, und diese schrumpfen schließlich auf eine allerletzte. Diese lässt sich mit dem Goldenen Schnitt ( … ) in Verbindung bringen. Wiederum ein Hinweis auf eine Harmonie an der Grenze von Ordnung und Chaos? Die irrationalsten Bahnen, das heißt diejenigen, die nach dem Zahlverhältnis der Goldenen Zahl gebaut sind, haben bei Störungen die höchste Chance zu überleben. Sie können dem Einbruch des Chaos am längsten standhalten: (ebd 201). Müsste man dem jedoch nicht – von der anderen Seite her gesehen – hinzufügen, dass diese »Bahnen« ebenso der Gefahr der Erstarrung am besten widerstehen können, weil alle Gebilde, die aus diesem Zahlenverhältnis hervorgehen, das Moment der Form immer vor dem absoluten Abgeschlossensein und damit vor der völligen Verhärtung bewahren, die Grenze immer offen halten auf das Ganze hin, das Individuelle ins Unendliche hineinragen lassen und somit immer in der Schwebe des Lebendigen bleiben? Wie hatte es doch bei NOVALIS (1957. I: 470) geheißen: »Ein unendlich charakterisiertes Individium ist Glied eines Inflnitinoms.:

Der Goldene Schnitt wäre somit vielleicht die Proportion, die Gliederungs- und Gestaltungsdynamik, Kurve, Linie, Gesetzmäßigkeit, der pendelnde Rhythmus schlechthin zwischen Chaos und Ordnung, zwischen dem Ganzen und dem Teil, dem Unendlichen und Endlichen, dem Universellen und Individuellen, Chiffre und Signatur dessen, was wir »Leben« nennen. Entsteht dieses einmalige Prinzip wirklich nur aus einer »Selbstorqanisation« der Teile, oder kommt es eher vom Ganzen her, oder wird es gar erst aus dem Dialog zwischen beiden geboren, weil das Ganze sich im Teil gespiegelt sehen und der Teil am Ganzen teilhaben will?

In seinem Buch »Die Zahlen der Natur« entwickelt der Mathematiker Ian STEWART (1998: 102) das Problem der »Selbstorqanisation« folgendermaßen: »Jedes Verständnis der Natur muss ein Verständnis für diese vorherrschenden Muster einschließen. Es muss erklären, warum sie so verbreitet sind und warum so viele unterschiedliche Aspekte der Natur dieselben Muster zeigen. ( … ) Es muss ein allgemeines Prinzip geben, das sich hinter diesen Mustern verbirgt.« Stewarts Antwort darauf ist das Prinzip der »Syrnmetriebrechunq« (ebd: 103). Was meint in diesem Zusammenhang »Symmetrie«, und wie ist der Begriff »Brechung« zu verstehen? Das Prinzip der Symmetrie erläutert Stewart am Beispiel der ruhenden, glatten Wasseroberfläche eines Teiches. Eine solche quasi »ideale mathematische Ebene verfügt über sehr viel Symmetrie« jede Stelle ist mit jeder anderen identisch: (ebd .. 50). Er fährt fort: »Die Symmetrie des Teiches ist so umfassend ( … ), dass wir sie nicht als Muster wahrnehmen. Statt dessen sehen wir sie als nichtssagende Gleichförmigkeit an« (ebd 103), die immer dann vorliegt, »wenn die Bestandteile keinen Anlass haben, sich voneinander zu unterscheiden (ebd. 103). So gesehen könnte man das Konzept der »Syrnmotrie« mit ihrer » Gleichförmigkeit « als eine Art physikalischmathematisches Gegenbild zum philosophischen Begriff der Einheit, des Eins oder jener nun entfalteten Totalität Hegels ansehen.

Die Brechung der Symmetrie erläutert Ian Stewart am Vorgang des Hineinwerfens eines Steins in den Teich und den daraufhin entstehenden typischen Wellenmustern. »Wellen auf einem Teich sind Beispiele gebrochener Symmetrien« (ebd: 96) Warum aber entstehen daraus Muster, warum »nicht ein strukturloses Durcheinander, in dem alle Symmetrien gebrochen sind?« (ebd. 105) – und jetzt erfolgt an dieser Stelle eine höchst aufschlussreiche Erklärung: »Der Kieselstein bricht die Symmetrie der Ebene in dem Sinne, dass, nachdem er den Teich in Bewegung versetzt hat, viele von deren Symmetrien verloren gehen – aber nicht alle, und genau das ist der Grund, weshalb wir Muster sehen« lebd 961.

Steckt nicht in jedem auftretenden Muster demnach so etwas wie eine Erinnerung an die ursprüngliche, jetzt aber gestörte Einheit oder Ursymmetrie, an die zerbrochene verlorene Ganzheit – oder noch deutlicher: Ist das Muster selbst nicht ein individualiertes Moment dieser Ganzheit, das noch etwas von dessen Qualität in sich trägt und in seinen Strukturen offenbart? »Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet«, erläutert Ian Stewart, »sind die in der Natur beobachtbaren Symmetrien Bruchstücke der großartigen universalen Symmetrien unseres ( … ) Universums ( … ) Aber etwas mag von der wirklichen Symmetrie zurückbleiben, und falls dem so ist, dann sehen wir ein Muster« (ebd.: 106). Taucht da nicht überall im Hintergrund das Phänomen der Resonanz auf, dieses Mitschwingen und Anklingen des Ganzen im individuellen Teil, des Echocharakters jeder Teilschwingung?
In den Konzepten der »Solbstorqanisation« spielen Begriffe wie »Symmetrie«, »Symmetriebrechunq« und »Erregbarkeit eines Mediums« eine herausragende Rolle (vgl. DEUTSCH 1994). Folgender grundlegender Vorgang

10 Vgl. MAYER•KUCKUK 1989: 13: „In der Tat wäre eine ganz symmetrische Welt weitgehend strukturlos. Je komplexer die Strukturen werden, desto niedriger ist nämlich im allgemeinen ihre Symmetrie Symmetriebrechung und das Auftreten von Ordnung gehen also Hand in Hand.« lässt sich vereinfacht darstellen: Einem relativ stabilen, einheitlichen Gleichgewichtszustand (»Symmetrie«), der seine prinzipielle »Erregbarkeit« und damit Offenheit für Veränderungen nicht eingebüßt hat, widerfährt durch einen – wie auch immer gearteten – Impuls eine »Störung« (»Symmetriebrechung«); diese ruft im bisherigen System eine Änderung hervor, an deren Ende sich eine neue, relativ stabile Ordnung höherer Komplexität einstellt. Nach dem Modell der Selbstorganisation löst diese »Störung« sich selbst regulierende und organisierende Prozesse aus, mittels derer sich das System ohne Mitwirkung eines von außen kommenden übergeordneten »Steuerungsproqramms« (ebd: VII) selbst strukturiert

Ließe sich daraus nicht auch eine andere Auffassung des Prinzips »Störung« entwickeln und denken? Und zwar in dem Sinne, dass sie für den bisherigen Gleichgewichtszustand eines Systems eine »Erschütterung« bewirkt, durch die ein weiteres Verharren in der bisherigen Ruhe und Gleichgewichtslage unmöglich wird, die aber auf diese Weise eine »Offenheit« (ebd 227) für neue Impulse erzeugt, die die potenzielle Möglichkeit zu neuen Gestaltungen in sich tragen.

Hatte es nicht bei HEGEL geheißen, dass gerade dieses »Erzittern des räumlichen Bestehens«. hervorgerufen durch jene »die ruhige materielle Gestalt« störende Erschütterung es ist, welche eine andere Schicht freilegt, die er mit »Seelenhaftiqkeit« beschrieben hat IHEGEL 1986.15: 173. 134)? Was aber könnte denn »Seelenhaftiqkeit« in diesem Zusammenhang überhaupt bedeuten? C G. JUNG (1973: 1501) hat einmal den Begriff »Seele« mit »Inbegriff von Beziehung« umschrieben. Könnte demnach »Seelenhaftigkeit« auf so etwas hinweisen wie die wachgerufene Verfassung einer gesteigerten innerlichen Offenheit, Empfänglichkeit, Ansprechbarkeit, »Beeindruckbarkeit« (Th. SCHWENKI, eine höhere Berührbarkeit, Bewegbarkeit, Aufnahmebereitschaft, Beziehungsfähigkeit – oder eben Resonanzbereitschaft beziehungsweise Resonanzfähigkeit? – Aber für was, auf was hin?

Um die ganze Spannweite und Tragweite dieser Fragestellung zu verdeutlichen, sei eine Stelle aus W. HOGREBES Buch »Prädikation und Genesis« 11989106) angeführt, an der der Autor sich mit dem Vorgang der »Selbstorganisation« beschäftigt und dazu auch H. Haken anführt: »In allen Prozessen offener Systeme, wie z. B. Wolkenbildungen, Strömungsprozessen etc. lässt sich immer das gleiche Schauspiel wieder erkennen, wie sich nämlich die einzelnen Teile wie von einer unsichtbaren Hand getrieben anordnen, andererseits aber die Einzelsysteme durch ihr Zusammenwirken diese unsichtbare Hand erst wieder schaffen. Diese unsichtbare Hand, die alles ordnet, wollen wir den .Ordner: nennen: (H. Haken). Eben weil dieser Ordner nichts ist, was von außen in die Vorgänge eingreift, sondern zu der Art gehört, in der sie sich selbst organisieren, ist er bloß regulierendes Prinzip der Selbstorganisation, die mit einiger Gesetzmäßigkeit chaotische Verhältnisse in Ordnungszustände .überführt.«. Daraufhin erläutert Hogrebe die Rolle dieses »Ordners« mit Gedankengängen und Begriffen F. Schellings, die schlagartig die zentrale Bedeutung dieser »Seelenhaftigkeit« (Heqel) erhellen: »Dasjenige, was in natürlichen Prozessen dafür sorgt, dass Ordner überhaupt eine Rolle spielen können, nennt Schelling ihr seelenartiges Wesen<. Dieser Ausdruck steht aber bloß für etwas, was Empfänglichkeit für Einheit indiziert, denn eine solche Empfänglichkeit ist Voraussetzung für die Selbstorganisation der Natur. Diese Empfänglichkeit sorgt dafür, dass jedes natürliche Equipment auf seine Weise an Einheit per Ordner orientiert bleibt, eine Orientierung, die Schelling als Sehnsucht der Natur bezeichnet« (ebd 108).

Wenn diese »Emphenqlichkeit: für Einheit“ die Voraussetzung für die Selbstorganisation der Natur« ist, dann kann das doch nur heißen, dass sie zum einen eben nur die »Voraussetzung« seitens des Mediums ist, aber noch nicht selbst das Ganze des Vorgangs beinhaltet, noch nicht die Erfüllung ist, und dass zur Vollendung der Inhalt – in diesem Falle die Gestaltungs- und Organisations-Prinzipien – für die die »Empfänglichkeit« bereit, offen, eben empfänglich ist, von woanders her kommen müssen, von einer anderen Ebene der Wirklichkeit, vielleicht ja doch »von außen«.

In natürlichen Strukturen und Formationen wie Wolken, Wellen und Ähnlichem, in individuellen organischen Lebewesen, ihren Gestalten und Mustern zeigen sich Muster der »Einheit« als Einheitlichkeit, Stimmigkeit, Harmonie der Binnenstrukturen, weil diese Naturformen oder Lebewesen nicht in sich abgeschlossen und nur »rnonoloqisch« selbstbezogen sind, sondern als »offene Systeme« ein Echo, eine individualisierte Spiegelung der großen »Einheit« sind, aus der sich das Prinzip der Einheitlichkeit, Stimmigkeit und Harmonie letztlich ableitet. »Aber etwas mag von der wirklichen Symmetrie zurückbleiben, und falls dem so ist, dann sehen wir ein Muster«, so hatten wir von Ian STEWART (1998 106) gehört.

Die Betrachtung ist nun an einem Punkt angelangt, an dem die bereits öfter aufgetauchte Frage nach der Wirkungsweise von Schwingungen im Zusammenhang mit Gestaltungsprozessen nochmals beleuchtet werden kann. Folgende Auffassungen sind denkbar: Sind die Schwingungsimpulse im Sinne der »Selbstorganisation« als jene »Störunq: aufzufassen, die in einem »offenen System« einen Anstoß bewirken und dadurch jene spontanen, sich selbst organisierenden Prozesse auslösen, als deren Resultat dann die Ordnung oder Struktur erscheint? Wecken die Schwingungsimpulse, sozusagen als Energiebringer, die in den Stoffen selbst und in ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften verborgen angelegten Strukturen und verhelfen diesen dadurch zur Realisierung? Oder sind in den Schwingungsimpulsen, ihren Rhythmen und Intervallen immanente Gestaltungsprinzipien, die durch die Schwingung dem eher passiv vorgestellten Stoff aufgeprägt werden, bis ein Muster erscheint? Oder dienen die Schwingungsimpulse und ihre Energie nur dazu, in ihnen »kodierte« Strukturen und Programme anderer Herkunft auf den Stoff zu übertragen und ihn auf diese Weise zu figurieren?

Oder ließe sich aus dem bisherigen Phänomenbestand und den betrachteten Ansätzen nicht auch folgende Annahme denken: Die auftretenden Muster und Gestaltungen sind das Ergebnis einer Auseinandersetzung und Begegnung zwischen dem Moment der Schwingung mit dem in ihr enthaltenen Gestaltungs- und Ordnungsprinzipien und dem Moment des Stoffes mit seinen jeweiligen materiellen Eigenschaften (Masse, Größe, spezifisches Gewicht, Elastizität, Temperatur usw.). Die Materialeigenschaften stellen für die einwirkenden Schwingungsimpulse so etwas wie diesen sich eher erschließende und ihnen entgegenkommende oder sich eher verschließende und ihnen widerstehende Bedingungen dar, wodurch die Schwingung modifiziert, gestört oder ganz ausgelöscht wird. Resonanz würde bedeuten, dass die materiellen Bedingungen eines Stoffes oder Gebildes so der Schwingung entsprechen, dass diese sich möglichst ungehindert und rein, unter Einbeziehung der konkreten stofftypischen Gegebenheiten und diese zum Mitmachen anregend, gestaltbildend auswirken kann. Jede Gestaltung, jede Form und jedes Muster der Natur wäre demnach ein Bild dafür, in welcher Art und Weise sich ein Einzelphänomen, das sich als solches gegen das Ganze abgegrenzt und damit individualisiert hat, sich wiederum zu diesem verhält, welcher Aspekt der »großartigen universalen Symmetrien« (I. Stewart) sich in diesem »Bruchstück« spiegeln und ausdrücken kann und mit welcher Eindeutigkeit.

»Die Kraft ist der unendliche Vokal, der Stoff der Konsonant« (NOVALIS 1957, I 260)

»Sollten die Körper und Figuren die Substantiva – die Kräfte die Verba und die Naturlehre – Dechiffrierkunst sein.« ( NOVALIS 1957 1511)

Ist so gesehen diese »Empfänglichkeit für Einheit« nicht auch genau die Verfassung, die durch die » Störung« ausgelöst wird – und die sich nun mit einem Mal eher als befreiende Erschließung enthüllt, weil die »Erschütterung« zu einem Herausgerissenwerden aus träge und unbeweglich gewordenen Zu-stands-Formen, zu einem Loslassen veralteter und verhärteter Daseinsgestalten befreit, hin zu dialogbereiter Ansprechbarkeit durch das Ganze, zur Resonanz mit der »Einheit«? Ist nicht das die eigentliche »Sehnsucht der Natur«, Antrieb und Motiv aller evolutionären Entwicklungen und Metamorphosen, durch Offenheit für Veränderung zur Verwirklichung immer neuer, kommunikativerer, freieren Beziehungen in immer gelingenderen Resonanzen zu gelangen?

»Abei auf einmal bricht der große Herzschlag heimlich in uns ein, sodass wir schreien -, und sind dann Wesen, Wandlung und Gesicht.« (RILKE 1976 136)

Autor: Alexander Lauterwasser

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Inhalt

Kosmogonie und Klang
Schwingungen und Klänge
Chladnische Klangfiguren
Schwingende Platten
Schwingende Körper
Schwingendes Leben
Wasser-Klang-Bilder
Schwingende Wassertropfen
Stehende Wellen und Gestaltbildung
Selbstorganisation und Gestaltwerdung
Wasser-Klang-Bilder von Musik

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