Portrait
Interview mit Will Arntz

Zweifeln Deutsche mehr als andere an der Realität? Der Erfolg der realitätskritischen Dokumentation „What the Bleep do we know?“ deutet daraufhin. Denn mittlerweile haben sich fast 200.000 Zuschauer die Antwort auf die Frage im Filmtitel geholt. Damit zählt Bleep zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aller Zeiten. Hauptverantwortlich für den Kino-Mix aus Wissenschaft und Philosophie ist der US-Amerikaner William Arntz. Drehbuchautor, Regisseur, Produzent – Arntz hat bei seinem Filmprojekt nichts dem Zufall überlassen, sondern alles selbst umgesetzt. Arntz ist ein Mann mit vielen Talenten.

Bereits 1972 erwarb William Arntz seinen Abschluss in Ingenieurswissenschaften. Nach einer ersten Anstellung als Forscher in der Physik begann er an der Entwicklung von Laser-Waffensystemen mitzuwirken. Zwei Jahre später entdeckte Arntz erstmals sein Faible für den Film und produzierte einen Animationsfilm. 1980 zog es den späteren Erfolgsregisseur nach Kalifornien, dort wurde er Buddhist und entwickelte in dieser Zeit die Computer-Software Autosys. Danach widmete er sich verstärkt der Metaphysik, den Grundlagen sowie dem Sinn und Zweck der Wirklichkeit. Bevor Arntz aber das Bleep-Projekt begann, studierte er noch 13 Jahre lang verschiedene Formen des Buddhismus und andere Lehren.

Will Arntz im Gespräch mit HORIZON Film

HORIZON: Will, deine Karriere verlief bisher sehr lebendig: von der Arbeit als Ingenieur für militärische Waffen bis hin zum Produzieren von Filmen mit spirituellen Inhalten. Wenn man sich deine Karriere so ansieht, scheint die Realität plötzlich sehr unreal zu werden. Vermag BLEEP deinen Lebenslauf zu erklären oder ist es eher genau anders herum?

WILL: Ich weiß nicht, ob es da einen einzelnen Zusammenhang von Ursache und Wirkung gibt. BLEEP reflektiert, wie ich die Welt sehe und wie ich versuche zu leben und die Art, wie ich lebe, war verantwortlich für BLEEP.

HORIZON: Woher bekamst du die Inspiration für BLEEP? Gab es einen speziellen Moment oder eine besondere Person, die dafür Auslöser war?

WILL: Es gab da eine ganz ordentliche Anzahl von Menschen und Auslösern über die Jahre: von frühen Kursen in theoretischer Physik an der Universität, über das Studieren mit meinem ersten spirituellen Lehrer, über das Bedürfnis, metaphysische Gedanken raus zu bringen in eine Welt, die sie offensichtlich benötigt, über das Studieren an Ramtha’s Schule, wo viele dieser Ansätze diskutiert werden, bis hin zu dem Gefühl des „Gezogenwerdens“ von der Suche der Menschen nach einer alternativen Art, die Welt wahrzunehmen.

Aber im Endeffekt denke ich, war es, dass ich dem zugestimmt habe bevor ich dieses mal geboren wurde.

HORIZON: Du hattest in der Vergangenheit unterschiedliche religiöse Überzeugungen, warst unter anderem Christ und Buddhist. Welcher Konfession muss man zugehörig sein, um seinen Glauben mit BLEEP zu vereinbaren?

WILL: In religiöser Hinsicht braucht man gar nichts zu sein außer aufgeschlossen, vorurteilsfrei und gewillt, mit dem Leben zu experimentieren. Tatsächlich finden viele gläubige Menschen Bleep mit ihrer jeweiligen Religion vereinbar.

HORIZON: Mal abgesehen von der spirituellen Botschaft in BLEEP, gibt es auch eine politische Botschaft? Und falls ja, welche wäre das? Ist sie gerichtet an deine amerikanischen Landsleute?

WILL: Ich bin ziemlich unpolitisch, daher gibt es keine politische Botschaft in BLEEP. Es gibt allerdings eine soziale Botschaft, wie zum Beispiel: Sei kein Opfer und beschuldige nicht die Anderen, übernimm Verantwortung. Und am wichtigsten: Nimm nicht die Worte der Anderen für bare Münze, nur weil sie es sagen – denke selbst!

HORIZON: Bleep hat in den amerikanischen Kinosälen Millionen eingespielt. Wie bewertest du den bisherigen Erfolg in Deutschland? Hierzulande haben sich nun um die 250.000 Zuschauer den Film angesehen.

WILL: Es war mir immer klar, dass Bleep gut in Deutschland laufen würde. In der deutschen Kultur gibt es eine tiefe mystische Verwurzelung. Dazu besitzen die Deutschen natürlich den ihnen eigenen wissenschaftlichen, logischen Zugang zu der Welt und dem Leben. Eine Kombination dieser beiden Herangehensweisen in einem Film musste eine faszinierende Wirkung ausüben.

HORIZON: Bleep wird hier in Deutschland aber auch kritisiert. Wie begegnest du Vorwürfen, dass der Film nur eine Plattform für selbsternannte Realitätswissenschaftler sei, die auf diesem Wege versuchten, Ihre Theorien zu verkaufen?

WILL: Es gab viel Kritik. Ehrlich gesagt macht manches sogar Sinn. Ich habe einige dieser Gedanken aufgegriffen und versucht, sie in dem offiziellen Bleep-Buch unterzubringen. Es gab aber auch Beschimpfungen, bei denen es einfach nur um die Verteidigung dogmatischer Vorstellungen ging. Man darf nicht vergessen: Jede neue Idee trifft auf bestehende Machtstrukturen. Ein Wissenschaftler, der 40 Jahre lang eine rein materialistische Sicht der Realität gepredigt hat, wird die Theorien von Dean Radin oder anderen Querdenkern“ nicht wortlos hinnehmen.

HORIZON: Wurden die Interviewpartner nach persönlichen Überzeugungen ausgewählt oder was war das Kriterium?

WILL: Sie wurden hauptsächlich ausgewählt anhand der Bücher, die die drei Filmmacher gelesen hatten, und von denen sie offensichtlich sehr beeindruckt waren. „Persönliche Überzeugungen“ klingt wie ein Glaubenssystem. Viele von diesen Menschen hatten Dinge geschrieben, die wir selbst als wahr erfahren hatten. Aber ja, am Ende wählten wir diejenigen Menschen, die im Gesamtzusammenhang eine Weltsicht vertraten, der wir zustimmten.

HORIZON: Ein anderer Kritikpunkt war, hinter dem Film verberge sich neoreligiöse Propaganda in einem überwältigenden Predigtton. Wolltest du mit BLEEP eigentlich informieren, predigen oder spirituell gesprochen erleuchten?

WILL: Also, wenn man die Hochzeitsszene des Filmes betrachtet, dann kann ich keinen Predigtton erkennen. Das wäre eine schöne Kirche, die solche Ziele verfolgt. (lacht) Im Ernst: Als Filmproduzenten haben wir uns bewusst für eine Frage im Titel entschieden, denn wir wollen nichts vorgeben. Der Zuschauer soll sich sein eigenes Urteil bilden. Zum Erleuchten fehlt uns leider einiges, wir sind keine Lehrer.

HORIZON: Lassen Sie uns über den umstrittenen Charakter Ramtha sprechen. Wieso haben Sie darauf bestanden, ihn im Film auftreten zu lassen, obwohl klar war, dass sich die Kritiker sofort darauf stürzen würden?

WILL: Tatsächlich wäre es anders viel einfacher gewesen. Aber soll man sich von Kritikern seinen Film diktieren lassen? Ramthas Interview-Sequenzen waren so passend zum Film, dass wir uns einen Bärendienst geleistet hätten, wenn wir auf Ihn verzichtet hätten. Außerdem postulieren wir ja, dass es Realitäten außerhalb des rein Physischen gibt. Dafür ist eine Frau, die als Medium eines uralten Wesens dient, natürlich ein recht dynamisches Beispiel.

HORIZON: Wie wurde dieser Film entwickelt, der erste seiner Art? Was war die Grundlage dafür? Und was waren die speziellen Schwierigkeiten?

WILL: Die größte Schwierigkeit war es, all diese Informationen rüberzubringen, ohne den Zuschauer zu überfordern, außerdem eine Geschichte damit zu verbinden, die eine Spannungskurve aufweisen kann, die man nun mal braucht für eine erfolgreiche Kino-Produktion. Wie die Entwicklung des Ganzen verlief? Wir benötigten zwölf Versionen des Drehbuchs und zwanzig Versionen des Films bis wir es richtig hinbekommen hatten! Eine Menge Meetings und eine Menge Haare raufen!

HORIZON: Wie kam es, dass ihr Marlee Matlin als Hauptdarstellerin ausgewählt habt? Und wie ist sie mit dem Inhalt des Films umgegangen?

WILL: Marlee hat uns ausgewählt! Ihr Agent hatte unser Drehbuch gelesen, das er von unserem Casting-Direktor geschickt bekommen hatte, er rief uns an und sagte, dass Marlee perfekt dafür wäre mit ein paar Modifikationen. Wir hatten zunächst Zweifel, aber nach einem Treffen mit ihr bekamen wir das Gefühl, es wäre der Film, der die Entscheidung fällte und dass wir einfach die Klappe halten sollten, aus dem Weg gehen und ja sagen! Der Inhalt war neu für sie, aber interessant. Um einen Eindruck davon zu bekommen, seht euch das Interview mit ihr an im Bonus-Material der Bleep-DVD Premium Edition.

HORIZON: Wie würdest du deine eigene Verbindung zur christlichen Kirche beschreiben?

WILL: Es gibt viele verschiedene christliche Kirchen. Wenn die Kirche sich wirklich nach Jesu Lehren richtet, ist es wundervoll. Wenn es nach von Priestern erfundenen Dogmen geht, ist es eine Art Bedrohung für die Welt. Und dann gibt es natürlich viele Abstufungen dazwischen. Erleuchtete erfinden keine Religionen, Menschen tun das. Ich wünsche mir einfach, alle Religionen würden lernen, tolerant zu sein.

HORIZON: Du hast einen bewegten Lebenslauf hinter dir: Laserwaffen, Buddhismus, Software-Entwicklung, Filmproduktionen und Metaphysik was sind deine nächsten Ziele?

WILL: Etwas Zeit, um einfach den Wolken beim Vorbeiziehen zuzusehen. Ich hätte vor acht Jahren nicht im Traum daran gedacht, einen Film zu drehen dementsprechend wage ich nicht mehr, Prognosen zu meinem weiteren Leben abzugeben.

What the Bleep do we know!?
Copyright © 2006 – Horizon Film Distribution
Autor: Horizon Film Distribution

Weitere Berichte:
Filmbericht: Bleep der Film
Buchbericht Bleep das Buch zum Film

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